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Ziel100 - Interview

Titelmotiv -

Wer das Phänomen Ziel100 über die letzten Jahre beobachtet hat, der hat bemerkt, daß der Frankfurter wie ein Virus das gesamte Land nach und nach eingenommen hat. Kaum ein Winkel in der Republik, der nicht regelmäßig mit seiner eigenen Mischung aus Techno und Electro beschallt wird. Jetzt liegt sein erstes Album „Оff-Time“ vor.

Bisher gab es noch keinen Longplayer von Ziel100. Bekanntlich liegt der Tonträgermarkt am Boden, warum dann gerade jetzt dein Debut?
Also zum einen kann man im Markt mit guter Musik noch immer Geld verdienen, so schlimm ist die Situation gar nicht. Es fallen zwar regelmäßig Leute so richtig auf die Schnauze, aber das gab's früher auch schon. Und unter kommerziellen Gründen habe ich das nie betrachtet, mir lag da die Musik als solche eher am Herzen. Und da ist natürlich ein Album schon eine coole Herausforderung, die ich einfach gestemmt haben wollte.

Wer war in die gesamte Produktion integriert?
Also außer auf fremden Gebieten, wie z.B. Mastering, Grafik oder CD Herstellung habe ich tatsächlich alles alleine gemacht. Zum einen leide ich unter der Neurose, daß nur ich allein alles richtig machen kann und zum anderen habe ich mich bewußt dazu entschlossen die wichtigsten Strippen selbst in der Hand halten zu wollen. Ich habe leider die Erfahrung machen müssen, daß wenn man z.B. das Marketing nicht selbst verfolgt, bei Fremdlabels wenig bis gar nichts passiert. Ich erinnere mich leidvoll daran, daß ich mal eine MixCD für ein großes Label gemixt habe und der Labelboss dann die Interviews überall gegeben hat und ich nicht mal genannt wurde. Deshalb habe ich das Album auf einem eigenem Label und ohne große Hilfe in den Markt gebracht.

Das hat doch sicherlich den Produktionsprozess sehr in die Länge gezogen?
Ich hatte die Idee zum Album zu Weihnachten und am 4. April ist Release. Das ist eigentlich ziemlich schnell umgesetzt. Das nächste mal würde ich mir aber mehr Zeit lassen. Ich hätte z.B. niemals mit einem solchen Aufwand gerechnet, den die Promotion aufwirft!

Was ist die Idee hinter Оff-Time?
Tatsächlich ist mein Leben von Umbrüchen bestimmt. Am Freitagabend breche ich mit meinem bürgerlichen Leben und verschwinde für drei Tage in finsteren Techno-Höhlen, um dann Sonntags um die Ecke zu biegen und wieder Familienvater zu sein. Der Umbruch und der ständige Hangover macht mittlerweile mein Lebensgefühl aus. Also lag der Albumtitel recht nahe, zumal ich bei Titeln wie Adlerwiese z.B. das Lachen meiner Kinder mit Tribalbeats gepaart habe. Ist schon etwas schizophren, ich weiß!

Was erwartet denn die Hörer?
Also das Rad habe ich nicht neu erfunden! Aber ich schätze schon, daß nicht alles zu erwarten war, was sich auf dem Album wiederfindet. Ich habe versucht zum einen den alten Rave-Spirit einzufangen und habe deshalb meinen alten Synthesizer Park wieder angeschmissen, zum anderen habe ich aber auch versucht melodiöse Parts mit Ravesignals zu kombinieren. Trotzdem sollte es zeitgemäß klingen und mich widerspiegeln. Gar nicht so einfach. Am wichtigsten: Die Tracks funktionieren alle, ich hätte sie bei Ablehnung auf der Tanzfläche nicht aufs Album gelassen.

Wo stellst du denn live das Album in unseren Gefilden vor?
Och am besten mal meine Homepage checken, da stehen alle Dates. Aber ich bin dieses Jahr zum ersten mal beim Sputnik Spring Break dabei und besuche während der Tour Erfurt, Bautzen und Halle. Mehr Termine folgen sicherlich, nachdem ich mich strategisch mit Mikato Booking zusammen getan habe, die wiederum mit Dusted Decks verwandt sind. Die Zusammenarbeit ist bisher sehr, sehr nett und ich denke, da passiert noch einiges. Ich spiele eh sehr gerne im Osten. Meine Frau kommt aus Zwickau und ich mag den Menschenschlag. Bei euch ist wirklich vieles sehr viel herzlicher und unkomplizierter. Ich mach ja sogar in der sächsischen Schweiz Urlaub!

Wie hast du es eigentlich geschafft, überall in Deutschland zu spielen, ohne bemerkenswerte Veröffentlichungen?
Naja, das stimmt ja so nicht ganz: Mittlerweile habe ich echt ne ganze Menge an Releases und Remixen. Außerdem habe ich mittlerweile sechs MixCDs draussen. OK, da war bisher nicht der ganz große Hit dabei, aber wahrgenommen wird man ja trotzdem. Aber sicherlich kann man das eher damit erklären, daß ich das ja nun wirklich sehr lange schon mache und mir so nach und nach alles erarbeitet habe. Wenn man dann von mir aus in Zwickau eine Party in Grund und Boden gerockt hat, dann bekommt das auch der Veranstalter in Dresden mit und schwupps hat man sich regional fest gesetzt, wenn man verlässlich seine Leistung bringt. Ich versuche halt immer mit meinen Möglichkeiten die Leute maximal zu unterhalten und das auch noch mit meiner ganz persönlichen Musikauswahl. Offensichtlich funktioniert das Prinzip! Dann wollen wir hoffen, daß deine Rechnung aufgeht!

Das wünsche ich mir natürlich auch. Vielen Dank und bis bald!
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