// portraits

Das Bo - Interview

Titelmotiv -

DAS BO kommt 1975 unter dem Namen Mirko Bogojevic in Hamburg zur Welt. Anfang der Neunziger wird er dann auch musikalisch aktiv, schwimmt ganz oben auf der norddeutschen HipHop-Welle mit und wird somit zu einem der Pioniere deutscher Rapmusik. Im Jahre 2000 feiert er mit seiner Solo-Single „Türlich, Türlich (Sicher Dicker)“ seinen bisher größten kommerziellen Erfolg. Als kurze Zeit später die „Fünf Sterne Deluxe“-Ära zu Ende geht, wird es ruhiger um DAS BO. Dennoch wurde es nie richtig still um den Mann aus dem hohen Norden, Grund genug ihm mal auf den Zahn zu fühlen, bevor er im Oktober die Gäste der Energy Clubzone in Chemnitz und Dresden verzückt.

Im zarten Alter von 18 Jahren gründest du zusammen mit Tobi Tobsen „Der Tobi & das Bo“ und erste musikalische Erfolge lassen nicht lange auf sich warten. Wie war das damals für dich, von jetzt auf gleich berühmt zu sein? Haben deine Schulkameraden sich für deine Musik bzw. Rap allgemein interessiert?
Ach, damals war das ja noch nicht so mit berühmt sein. VIVA und MTV hatten noch mehr Bock andersartige und interessantere Sachen zu pushen und es gab noch nicht so eine harte Politik was Labels und Kooperationen angeht. Es wurde auch mehr Musik gespielt und nicht so auf kommerziellen Erfolg geguckt. Und es gab auch kein „von heute auf morgen“ da ich mit Tobi ab ’94 die Ochsentour gefahren bin, das heißt für Fahrtgeld in irgendein Jugendhaus, vor 50 Leuten sein Ding machen, bei jemandem privat pennen und weiter. HipHop hatte noch dieses Gemeinschaftsding und war etwas, das einem Kraft gab. Das versuche ich auch heute immer noch in meiner Musik umzusetzen. Erst später kamen ausverkaufte Touren und riesige Festivals. Das muss ich mir als Solokünstler jetzt wieder erarbeiten, aber ich hab einiges vor.

Das Kapitel „Fünf Sterne Deluxe“ ist seit längerem Geschichte. Wie siehst du rückblickend diese Zeit? Wie ist heute der Kontakt zu den Leuten von damals? Würdest du dich jemals wieder einer Band anschließen oder ist das Sololeben eher was fürs Bo?
Magie. Denn es war mächtig. So eine Zeit kann man eigentlich niemandem begreiflich machen, der nicht selber einer Gruppe angehört hat, die irgendetwas bewegt hat. Ob es Sport ist oder ein Forscherteam, das etwas entwickelt oder entdeckt hat, diese Gruppendynamik die etwas entstehen lässt, was jeder einzelne so niemals alleine geschafft hätte. Ich bin mit den Jungs entspannt und ich habe auf „Dumm Aber Schlau“ auch einen Track mit Tobi und Marc, der diese Zeit symbolisieren soll. Genauso wie der Song mit Jan Delay und Samy Deluxe, der für die Mongo Clikken Zeit steht. Man arbeitet ja eigentlich nie alleine, denn du hast einen Produzenten und ein Team mit dem du das Ganze nach vorne bringen willst. Ich habe mit King Chronic einen musikalischen Leiter für die gesamte Produktion gefunden, der musikalisch einer der krassesten Typen ist, den ich je gesehen habe. Mit ihm werde ich noch einige Projekte starten, da bin ich mir sicher. Ich arbeite sehr gerne mit talentierten und inspirierenden Menschen zusammen und ich habe gemerkt, dass aus solchen Kooperationen die besten Sachen entstehen.

In den Jahren 2005/2006 bist du viel als Gast bei Auftritten anderer Acts unterwegs gewesen, vor allem mit Deichkind hast du einige Shows gerockt. Wie hat dich diese Zeit geprägt? Was hast du für dein zukünftiges Schaffen als Künstler aus dieser Zeit mitgenommen?
Deichkind. Die mächtigen Männer. Ich wusste gleich, dass die da etwas heftiges am Start haben, denn ich habe ja selber dieses intensive Gefühl, was die rüberbringen, gespürt und es hat mich angespornt für HipHop etwas ähnlich intensives zu schaffen, was mir auch sehr gut gelungen ist. Ich denke, dass in Deutschland gerade eine spannende Zeit ist, denn durch die Umstände bekommt die Kunst wieder eine neue Gewichtung, die für Deutschland im gesamten sehr wichtig ist. Was die Deichkindshows angeht, bei denen ich dabei war, sag ich nur: Melt!-Festival, Mayday, Loveparade. Die Psymen übernehmen!!! Für mich war auch wichtig eine Präsenz zu erhalten, da ich ja in der Zeit kein Label und kein Management hatte.

Du warst dieses Jahr beim Bundesvision-Songcontest mit dabei. Erzähl doch mal, wie es da so abgeht? Entspannte Atmosphäre unter den Künstlern oder wird da argwöhnisch auf die Konkurrenz geschaut? Würdest du nochmal bei so einem Event mitwirken oder war das eher ein Ausflug in fremde Gefilde?
Ich denke ich habe mit „Dumm Aber Schlau“ etwas Gutes geschaffen und ich möchte, dass so viele Leute wie möglich wissen, dass es diesen Typen gibt und dass es dieses Album gibt und deshalb gehe ich überall hin, wo ich mich und mein Gefühl präsentieren kann. Ich mag es vor 13.000 Leuten in einer Halle zu spielen, genauso wie ich es liebe in einem 500er Club zu rocken und natürlich mach’ ich mit, wenn ich kann. Es ist wie Bier und Champagner. Beide sind unterschiedlich, aber beide machen breit. Man wird mich demnächst auf jeden Fall öfter im Fernsehen sehen, weil ich diese ganzen Fratzen da nicht ertrage. Also muss man was anderes anbieten, denn nur etwas scheiße finden ist mir dann doch zu leicht. Beim Songcontest habe ich Jennifer Rostock kennengelernt und ich mag, was die machen, diese Sängerin hat auf jeden Fall eine geile Energie und sie schreibt, wenn sie selber schreibt, sehr krass.

Dein zweites Soloalbum „Dumm aber schlau“ ist jetzt raus. Wie zufrieden bist du bisher mit der Resonanz auf die Platte? Arbeitest du schon an neuen Hits oder müssen sich deine Fans nun wieder vier Jahre gedulden, bis sie das dritte Bo-Album in den Händen halten dürfen?
(Anmerkung: Fehler der Redaktion – Release von Single und Album verwechselt! Kann ja mal passieren!)

Schön, dass es so scheint als sei mein Album schon draußen, aber es gibt erst die „Ohne Bo“ Single und jetzt neu „Dumm Aber Schlau“ die Single und dann kommt das Album „Dumm Aber Schlau“. Ich habe 22 Lieder auf diesem Album und konnte nicht alles, was ich drauf haben wollte, drauf tun, da eine CD nur 78 min. Laufzeit hat. Aber ich bin jetzt frei und kreativ wie nie, es macht mir im Moment sehr viel Spaß produktiv zu sein und ich werde sicherlich sehr viel Zeug raushauen. Also myspace.com/dasbo und exklusive Tracks reinziehen.

Am 3. & 4. Oktober bist du als Headliner bei der Energy Clubzone in Chemnitz und Dresden am Start. Freust du dich als Nordlicht auch auf den Osten der Republik? Was können die Leute vor Ort diesmal von dir und deiner Show erwarten?
Ich gebe immer alles, für jeden. Miss Leema und Chris Nix werden mich unterstützen und wir werden eine gute Zeit haben. Ganz Genaaaaaaauuuuuuu!!!

Text und Interview: Michael Möbius
related link: www.dasbo.de