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Stephan Bodzin - Die Entdeckung des Entertainers - Interview

Titelmotiv -

Stephan Bodzin, der mit seinem eingängig melancholischem Sound spätestens seit 2006 für Gänsehaut – Feeling in Europas Clubs sorgt, setzt mit seinem aktuellen Album „Liebe ist...“ seine Erfolgsserie fort. Sein prägnanter Stil, der von DJ Hell auch als richtungsweisender „Bremen“ - Sound bezeichnet wird, stößt auch international auf sehr viel Gegenliebe. Nach seinem Dezember - Gastspiel in der Distillery wird er bei den Auftritten zu „Liquid Sunday“ und im System Club in Halle auch hier in Mitteldeutschland wieder für einen erhöhten Endorphinspiegel der Gäste Sorgen. Für uns ein willkommener Anlass, ihm einige Fragen zu stellen.

Man hat dich in der Vergangenheit vor allem durch deine Zusammenarbeit mit Oliver Huntemann, Marc Romboy und Thomas Schumacher wahrgenommen. Was hat dich dazu ermutigt, dich stärker als Solokünstler zu profilieren?
Ursprünglich habe ich mich mein Leben lang "nur" als Schrauber im Hintergrund gesehen und jegliche Ader als Entertainer völlig ignoriert. Von daher ist das auch für mich immer noch schwer zu glauben, dass ich das erstens gemacht habe und zweitens wie sehr es mir eigentlich immer gefehlt hat. Konkret war mir auch während der Kollaborationen mit den besagten 3 Herren relativ klar, dass da rein musikalisch auch noch was anderes gehen muss. Klingt ein wenig, als hätte ich keinen Bock gehabt…war leider auch so. "ich werde nie ein Entertainer sein können!" meine Worte damals.

Deine Musikalität wurde Dir von deinem Vater, einem experimentierfreudigen Musiker, sozusagen in die Wiege gelegt. Inwiefern hat er deine musikalische Entwicklung beeinflusst?
Er hat mich sicher unter anderem damit beeinflusst, dass er mir ein Kraftwerk Vinyl in die Hand gedrückt hat und sagte: " yo mien Jung, dat is mal wat Feines". Ansonsten musste ich mit 5 Jahren 3mal die Woche klassischen Klavier Unterricht nehmen und wir hatten sowas wie ´ne Familienbande in der habe ich mit satten 12 Jahren so fette Geräte wie Memorymoog, Arp2600 und Korg PS 3300 gespielt, die heute nur noch in Japan und für viel geld zu bekommen sind.

Zu Beginn deiner Musiker–Karriere hast du dich mit der Vertonung von Theaterstücken beschäftigt. Wie kam es dazu? Führst du das immer noch weiter?
Ein Freund gab einem Freund eine meiner ersten Aufnahmen, die ich damals noch mit dem internen Sequenzer vom legendären Korg M1 erstellte. Jener Freund vom Freund war Komponist und suchte für eine Inszenierung des Bremer Theaters einen Assistenten. Da ich mich seit diversen Jahren nur noch auf Techno konzentriere, ist das Thema allerdings Vergangenheit.

Deine Tracks leben fast immer von ihren eingängigen, melancholischen Melodien. Damit prägst du inzwischen einen Stil, dem viele Produzenten nacheifern. Genießt du es, so eine Art Stil - Ikone zu sein?
Es ehrt mich, wenn mein Sound den einen oder anderen inspiriert. Es irritiert in sofern, als dass ich "meinen" Sound so kaum noch fortführen kann. Zu viele haben sich daran (und auch durchaus erfolgreich) versucht und somit meine bisherige Handschrift inflationiert.

In einem Interview mit dir in der Groove konnte ich lesen, dass viele deiner Musikstücke innerhalb weniger Tage entstehen. Wodurch lässt du dich bei deinen Tracks inspirieren und wie schaffst du es so schnell zu arbeiten?
Leider kann ich nicht definieren, was mich inspiriert. Ich wache morgens auf und habe den Drang, ins Studio zu rennen und irgendwelche Töne in den Rechner zu hacken. Ich kann höchstens 2-3 Tage an einer Idee arbeiten, da sie mich danach anfängt zu langweilen. Weshalb die Teile meist schon nach 3-4 Stunden fertig sind, liegt zum einen sicher an einer Portion Erfahrung, ist aber auch darauf zurückzuführen, dass ich effektiv einfache Musik mache und sehr intuitiv entscheide ob und was gut oder nicht ist.

Auf deinem Label „Herzblut“ wurden bislang ausschließlich Stücke von dir, oder Tracks, die in Zusammenarbeit mit dir entstanden sind, veröffentlicht. Mit dem Release von Super Flu´ s „Brink“ lassen sich nun erstmals auch andere Künstler auf Herzblut finden. Wie kam es dazu?
Ich hatte Super Flu schon seit einiger Zeit auf dem Zettel und so einige Tracks von ihnen gespielt. Irgendwie kam dann mal der Kontakt zustande und ich habe sie gefragt, ob sie sich eine Release auf Herzblut vorstellen könnten. Sie haben mit den 3 Tracks eine erstklassige Platte hingelegt. Die nächste ist übrigens schon in der Tüte.

Mit „Liebe ist...“ hast du uns im vergangenen Jahr dein sehr gelungenes Albumdebüt beschert. Welche Projekte stehen bei dir in diesem Jahr an und worauf freust du dich ganz besonders?
Danke für die Blumen. Dieses Jahr steht ganz im Zeichen der Neuerfindung, sprich der nächsten Bodzin Releases. Geplant sind 1-2 12" vor dem Sommer und ein neues Album zum Herbst. Weiterhin wird sich meine Live-Show im Laufe des Jahres komplett erneuet. Hier arbeite ich an innovativen Midi-Controllern usw. Momentan macht einfach alles einen riesen Spaß und ist nach wie vor total aufregend...

Den durchaus seltenen Ost-Gig von Stephan Bodzin erlebt ihr am 05.04.08 im neuen System Club in der Lampenfabrik zu Halle. Für eine euphorische Mail an mitnahmeeffekt@vibe.cd könnt ihr 2x2 Freikarten ergattern.

Interview: Mathias Speck
related link: www.stephanbodzin.de